Die Bürgerinitiative und alle Anwohner
der Harewood Kaserne sind sich einig, Flüchtlingen aus Krisengebieten unsere
Hilfe und unsere Unterstützung anzubieten. Die Menschen sollen hier in
Sicherheit sein, ein Dach über dem Kopf haben und zu essen bekommen. Die Kinder
sollen wieder unbeschwert spielen können und diese Menschen sollen endlich
wieder in eine sichere Zukunft blicken können.
Es gibt aber unter den Anwohnern
Menschen, und dazu gehören in aller erster Linie ältere Mitbürger, bei denen
Ängste und Sorgen bestehen, dass Viertel könnte zu einem sozialen Brennpunkt
werden. Diese Menschen haben nach dem Krieg dazu beigetragen, Deutschland
wieder aufzubauen und zu dem zu machen, was es heute ist. Ein Land, in dem
niemand hungern und frieren muss und das auch wieder Anerkennung erhält.
Diese Menschen sehen mit Bangen in die
Zukunft und überlegen ihr Heim, in dem sie jahrzehntelang gewohnt haben, Kinder
groß gezogen haben, schöne Momente erlebt haben, zu verkaufen.
Die Verantwortlichen von Politik, Kirche
und Verwaltung müssen auf diese Anwohner/Bürger zugehen und sich bemühen ihnen
diese Ängste zu nehmen.
Es kann nicht sein, dass der Kirchenvertreter,
der für seine Gemeindemitglieder als Gesprächspartner und Seelsorger zur
Verfügung stehen sollte, sich abwendet und die Ängste der Anwohner anprangert
und Vertreter des Deutschen Roten Kreuzes sich über die Ängste der Eltern um
ihre Kinder lustig machen und die Menschen verhöhnen.
Alles was wir uns als Anwohner wünschen
ist, dass man uns zuhört, uns signalisiert, dass man unsere Sorgen und Ängste
ernst nimmt und man gemeinsam an einer Lösung, die für alle Beteiligten
sinnvoll ist, arbeiten wird. Auch Ehrlichkeit erwarten wir, denn wenn man
ehrlich die Probleme benennt, wie es Innenminister Jäger getan hat, auch wenn
das von Vertretern von der Bezirksregierung verleugnet wird, nur dann können
diese Probleme gelöst werden.
Wir als Bürgerinitiative heißen Flüchtlinge,
die Not und Elend erlebt haben, um ihr Leben fürchten mussten, oder politisch
verfolgt werden, oder schlimmer noch, gefoltert wurden, hier herzlich
willkommen, aber es sollten bei all der Problematik die Menschen hier vor Ort nicht
vergessen werden. Den eigenen Bürger darf nicht signalisiert werden, ihre
Sorgen seien unerwünscht. Wir möchten angehört werden, ernst genommen werden
und an gemeinsamen Lösungen mitarbeiten.
Innenminister Jäger ist mit gutem
Beispiel vorangegangen und hat eingeräumt, dass es Probleme gibt, die
angegangen werden müssen, um die Akzeptanz bezüglich der Flüchtlinge
beibehalten zu können, bzw. erhöhen zu können (Artikel der
Zeitung Die Welt vom 21.11.2014)
Es ist sehr scheinheilig zu behaupten,
es ist mit keinerlei Problem zu rechnen, wenn 500 bis 800 Flüchtlinge aus unterschiedlichen
Kulturkreisen und mit unterschiedlichen Religionen auf engem Raum zusammenleben
müssen, nur weil eine Unterbringung von mindestens 500 Flüchtlingen in einer Unterkunft
kostengünstiger ist.
Vorher haben in der Kaserne 500
britische Soldaten ihren Dienst verrichtet, die anschließend nach Hause zu
ihren Familien gefahren sind. Nun sollen dort 24 Stunden am Tag und sieben Tage
in der Woche bis zu 800 Flüchtlinge leben, die nicht nach Hause fahren können.
Durch das Kasernentor werden jeden Tag 500 bis 800 Menschen über die Mindener
Straße zu Fuß in die Stadt gehen. Dabei muss zunächst eine stark befahrene
Bundesstraße überquert werden. Ich glaube keiner der Verantwortlichen ist sich wirklich
darüber im Klaren, welche organisatorische und logistische Herausforderung das darstellt.
Bei der Sitzung des Rates der Stadt
Herford am 19.06.2015 wurden von Seiten der politischen Vertreter die richtige
Signale gezeigt. Vor allem Frau Müller von der CDU Fraktion hat treffende Worte
gefunden. Es gibt unbequeme Fragen, die niemand hören will, aber es muss
erlaubt sein, sie zu stellen. Nur dann können Antworten und Lösungen gefunden
werden.
Es darf von der Politik keine Flanke für
Parteien aus dem rechten Spektrum geöffnet werden, die von uns nach der
nächsten Wahl niemand im Rat der Stadt sehen will. Deswegen dürfen die 2.000
Wahlberechtigten im Bezirk Ottelau nicht mit ihren Ängsten und Sorgen allein
gelassen werden und ihnen darf auch nicht der Mund verboten werden.
Um den Flüchtlingen zu helfen und ein
friedliches Zusammenleben zu ermöglichen, sind wir als Bürgerinitiative bereit,
uns an zukünftig geplanten Runden Tischen zu beteiligen und an einvernehmlichen
Lösungen mitzuarbeiten. Das haben wir auch gegenüber dem Rat der Stadt Herford
erklärt, der uns daraufhin das Versprechen gegeben hat, entsprechende
Einladungen auszusprechen.